Hundert Jahre Unterschied

Hundert Jahre Unterschied

Der Violinist Fedor Rudin musiziert mit dem Welte-Mignon

Der Violinist Fedor Rudin wurde 1992 in Moskau geboren, der Pianist Septimus Webbe 1867 in York. Die beiden Musiker trennen mehr als hundert Jahre. Trotzdem werden sie am Samstag, 23. September, auf der Finca Pescador bei Alqueria Blanca gemeinsam ein Konzert geben. Genauer: Sie werden es erneut tun, nachdem dieses musikalische Zeitexperiment ein überwältigendes Feedback erfahren hat.

 

Möglich machen dies ein Welte-Mignon-Vorsetzer und ein perfekt restaurierter „Richard Wagner-Flügel“ der Firma Ibach aus dem Jahr 1912. Sie sind das Herzstück einer Privatsammlung historischer Musikapparate und -instrumente.

 

Als die Schallplatte noch in den Kinderschuhen steckte, entwickelte die Firma Welte in Freiburg ein Aufnahmeverfahren, das die Musikwelt revolutionierte. Es erlaubte eine weitestgehend authentische Wiedergabe, selbst was die Dynamik und das Pedalspiel betraf. Auch Septimus Webbe nahm für Welte auf. Wahrscheinlich in London spielte er 1909 37 Stücke ein, überwiegen Begleitmusik für Violine.

 

Der Wiedergabemechanismus namens „Welte-Mignon“ funktioniert mittels ausgestanzter Papierrollen und einem strombetriebenen, pneumatischen System. Er wurde in Klaviere und Flügel eingebaut oder ließ sich als so genannter Vorsetzer vor ein beliebiges Instrument stellen, das er mit filzbesetzten Holzfingern und zwei Metallfüßen zu spielen vermochte.

 

Bald war das Mignon in den Musiksalons des Adels und der Großindustriellen zu finden, ebenso auf den Schnelldampfern die zwischen Hamburg und New York kreuzten. Doch durch die rasante Verbreitung von Rundfunk und Schallplatte musste die Firma Welte 1932 die Herstellung der wesentlich teureren Reproduktionsinstrumente einstellen.

 

Bei der Matinee am Samstag, 23. September, um 12 Uhr, wird dieser Mythos wieder aufleben – und die Begegnung zweier Musiker über die Zeiten hinweg ermöglichen. Auf dem Programm stehen Werke von Beethoven, Raff, D’Ambrosio, Ries, Dvorák, Svendsen, Godard, Ysaÿe und Pierné.

 

Bitte beachten Sie, dass die Anzahl der Plätze begrenzt ist. Es empfiehlt sich also eine frühzeitige Anmeldung.

 

Des Weiteren möchten wir darauf hinweisen, dass diese Matinee ausnahmsweise am Samstag, und nicht am Sonntag stattfindet, da am letzten Sonntag im September traditionell die Künstlerin Dörte Wehmeyer ihre Finissage in Cala Llombards veranstaltet.

 


 

Über Septimus Webbe

Der britische Pianist Septimus Webbe wurde 1867 in York geboren. Im zarten Alter von sechs Jahren trat er ertsmals vor Publikum auf. Da er zu klein war, um die Tatsen zu erreichen, musste er im Stehen spielen. Bei einem der Konzerte wurde er von seinem Vater aufgefordert, sich vor dem Publikum zu verbeugen. Vor lauter Aufregung streckte der Bub statt dessen die ZUnge heraus, schnitt eine Grimasse und verschwand hinter der Bühne.

 

Bereits im Alter von zwölf Jahren begann er an der Royal Academy of Music in London zu studieren, und mit 19 wurde er dort Professor. Im selben Jahr, 1886, spielte er vor LIszt, als dieser die Academy besuchte. Der Komponist und Klaviervirtuose bot ihm daraufhin an, sein Schüler zu werden.

 

Doch dazu kam es nicht mehr. Ehe Webbe dieses Angebot annehmen konnte, starb Liszt am 31. Juli 1886 in Bayreuth.

 

Webbe starb 1943 in England.

 

Über Fedor Rudin

Fedor Rudin (Moskau, 1992) gilt als einer der begabtesten Konzertsolisten seiner Generation. Im Februar 2014 schloss er bei Prof. Zakhar Bron sein Bachelor Studium mit der Note 1,0 ab und besucht derzeit die Meisterklasse von Prof. Pierre Amoyal an der Universität Mozarteum in Salzburg.
Fedor Rudin wurde 1992 in Moskau geboren. Er ist Preisträger vieler internationaler Wettbewerbe (unter anderem Singapur , Qingdao, Enescu, Marteau ). Als Solist stand er in Häusern wie der Carnegie Hall in New York, der Comédie des Champs-Elysées und dem Théâtre Mogador in Paris auf der Bühne, ebenso in der Kölner Philharmonie, der Düsseldorfer Tonhalle und dem Haus der Musik in Moskau.
Fedor Rudin trat mit Orchestern wie dem Sinfonieorchester Basel, dem BNR Symphony Orchestra, dem Orchestre de l’Opéra national de Paris und dem Montreal Symphony Orchestra auf, und arbeitete mit Künstlern wie Maxim Vengerov, Shlomo Mintz, Darrell Ang, Christoph Poppen und Vadym Kholodenko zusammen. Er ist außerdem Mitbegründer des Fratres Trio.
Bei dem Konzert wird Fedor Rudin auf der Stradivari „D’Annunzio-Baccara“. Der Bau des Instruments wird auf das Jahr 1680 datiert. Die Violine ist auch als „Ex-Paganini“ bekannt, weil angenommen wird, dass sie von dem Geigenvirtuosen und Komponisten Niccolò Paganini gespielt wurde.