La Seu - Die Kathedrale von Palma de Mallorca

Das architektonische Wahrzeichen Mallorcas ist weder der Sommersitz des spanischen Königs, der Marivent-Palast, noch das Schloss Bellver, das weithin sichtbar über Palma thront. Vielmehr ist es eine Kirche, zumal eine der schönsten und bedeutendsten Europas, die Kathedrale von Palma.


KATHEDRALE DES LICHTS“
 
Von den Mallorquinern wird die Kathedrale auch La Seu genannt. In deutschsprachigen - digitalen wie gedruckten – Fremdenführern wird dies gerne mit „Licht“ übersetzt. Licht heißt jedoch auf Spanisch „luz“ und auf Mallorquin „llum“, „Seo“ bzw. „Seu“ dagegen „Sitz“. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass sich das lateinische Wort für Bischofskirche (Kathedrale), ecclesia catedralis, aus dem Altgriechischen εκκλησία (Versammlungsraum) und καθέδρα (Ruhesitz, auch Lehrstuhl) ableitet.
 

Trotzdem ist es nicht ganz falsch, von der „Kathedrale des Lichts“ zu sprechen, sofern sich dies auf den Einfall des Lichts durch die (laut Domkapitel) 83 Kirchenfenster und sieben Rosetten des Gebäudes bezieht. Besonders spektakulär ist der Lichteinfall morgens durch die farbenreiche Hauptrosette, die sich an der Ostseite der Hauptapsis befindet.

Zweimal im Jahr ereignet sich ein beeindruckendes Lichtspiel: Immer am 11.11. und am 2.2. gegen 9 Uhr morgens wird das Licht, das durch die Hauptrosette scheint auf das Rundfenster an der Hauptfassade der Kathedrale geworfen.

Auffallend sind bei der Hauptrosette außerdem die Streben, die die Form des Davidsterns bilden.

Es wird gerne behauptet, dass die Hauptrosette der Kathedrale die größte der Welt sei. Doch einmal davon abgesehen, dass es hinsichtlich des Durchmessers sehr unterschiedliche Angaben – von 11,50 bis 13,50 Metern, meistens ist die Rede von 12,55 Metern - gibt, misst die Fensterrose des Straßburger Münsters mahr als 15 Meter.

GESCHICHTE

Der Legende nach hat der Eroberer Jaume I. (1229-1275) bei einem Unwetter auf See gelobt, ein Zehntel seiner erbeuteten Schätze für den Bau einer Kirche zu geben, sollten seine Truppen von dem Strum verschont werden und heil an Land kommen. Die Journalistin Heide Wetzel-Zollmann und der Historiker Wolfgang Wetzel weisen in ihrem Buch „Mallorca. Ein Streifzug durch 6.000 Jahre Geschichte und Kultur“ jedoch darauf hin, dass aller Wahrscheinlichkeit nach und allen Quellen zufolge erst der Sohn des Eroberers, Jaume II., mit dem Bau der Kathedrale begann wo sich eine Moschee befand.

Anfangs fand der Gottesdients offenbar noch in der Moschee statt, die im Laufe der Jahrhunderte zur Kathedrale erweitert wurde. Aus dem späten 13. Jahrhundert stammt ein Dokument, das von der Entstehtung des alten, gotischen Chores spricht, „der sich noch unter der alten Konstruktion befindet“ und, nachdem die Kirche „vom Bauschutt des alten Gebäudes gesäubert wurde“, „anständig platziert“ werden könne. Laut Domkapitel wurde die Moschee 1386 eingerissen.

Im Jahr 1412 verfasste allerdings der Gegenpapst Benedikt XIII. (Papa Luna) eine Bulle, mit der eine Anordnung des mallorquinischen Bischofs Colell bestätigt wurde. Darin ist von der Kirche die Rede, die sich noch unter den Gewölben „der verdammten Moschee“ befinde.

ARCHITEKTUR

Spötter behaupten, Palmas Kathedrale, die vorwiegend aus Kalksandstein gebaut ist, sei die am längsten währende Baustelle der Welt. Fakt ist, dass das Kirchenschiff im Jahr 1587 fertiggestellt war und das Hauptportal 1601 geweiht wurde. Mit den Arbeiten an der Hauptfassade wurde 1852 begonnen, sie endeten erst Anfang des 20. Jahrhunderts.

Entsprechend vielfältig sind die Baustile, ausgehend von der Gotik über den plateresken Stil der Renaissance und den Manierismus über Barockelemente bis hin zum Klassizismus. Nach der Zerstörung großer Teile der Kathedrale durch ein Erdbeben im Jahr 1851 wurde der Großteil im neugothischen Stile wieder aufgebaut. Zwischen 1902 und 1914 nahm der bedeutendste Vertreter des katalanischen Jugendstils, Antoni Gaudí, nicht nur Restaurierungs- und Dekorationsarbeiten vor, sondern auch Umbauten. Unter anderem verlegte er den Chorraum aus der Mitte des Kirchenschiffs in die Königskapelle und entwarf einen bis heute Aufsehen erregenden Baldachin, der allerdings nie fertiggestellt wurde. Angeblich im Streit mit dem Domkapitel, verließ Gaudí Palma.

Die jüngste Neugestaltung der Kathedrale fand in der Sankt-Peter-Kapelle (rechtes Seitenschiff) Anfang des 21. Jahrhunderts statt. Der mallorquinische Künstler Miquel Barceló (Felanitx 1857) kleidete die Wände mit in Italien gebrannte Keramik aus. Dargestellt ist die biblische Geschichte der wunderbaren Vermehrung von Fisch und Brot, wobei Barceló bei der Wahl seiner Motive stark auf die Unterwasserwelt seiner mediterranen Heimat, aber auch auf die Farben des afrikanischen Landes Mali, wo er sich oft aufhielt, zurückgriff. Auch die schwarz-grauen Fenster und das liturgische Mobiliar wurden von Barceló, der zu Spaniens bedeutendsten aktuellen Künstler zählt, entworfen.

ZAHLEN

Die Kathedrale nimmt eine Fläche von 6.600 Quadratmetern ein, das Dach misst 4.250 Quadratmeter. Das Gebäude ist 109,40 Meter lang und 39,45 Meter breit. Das Hauptschiff ist 43,95 Meter hoch, die Höhe der Seitenschiffe beträgt 29,49 Meter. Die Säulen sind 21, 47 Meter hoch, ihr Durchmesser beträgt zwischen 1,49 und 1,67 Metern.

GELÄUT

Die Kathedrale verfügt über neun Glocken, die folgende Namen tragen: N’Eloi, Na Bàrbara, N’Antònia, Sa Nova, Na Mitja, Na Tèrcia, Na Matines, Na prima, Na Picarol. Die größte Glocke,
N’Eloi, wiegt 45 "quintars", das sind ungefähr 4.500 Kilogramm.

MUSEUM

In zwei Kapitelsälen und im Erdgeschoss des Glockenturms ist seit 1932 das Museum der Kathedrale untergebracht. Der Eingang befindet sich am Glockenturm, Dort verteilte das Domkapitel früher Almosen an die Armen und Kranken. Die Eingangshalle des Museums ist mit Wandmalerei versehen, die von Mudéjares stammt. So wurden die Muslime genannt, die nach der Reconquista unter christliche Herrschaft geraten waren und ihre Religion weiter ausübten, sich jedoch bald ihrem christlich geprägten Umfeld anpassten.

ÖFFNUNGZEITEN

1. April – 31. Mai sowie Oktober:  Montag bis Freitag 10.00 – 17.15 Uhr
1. Juni – 30. September:  Montag bis Freitag 10.00 18.15 Uhr
2. November – 31. März:  Montag bis Freitag 10.00 -15.15 Uhr

Ganzjährig: Samstags 10.00 – 14.15 Uhr

Eintritt: 4.00 Euro

Adresse: Plaça Almoina, 07001 Palma de Mallorca