Das Wunder von Algaida

Der Künstler und Wahlmallorquiner Nils Burwitz nennt es das "Wunder von Algaida". Im Jahr 2004 setzte er in der Kirche des Ortes ein von ihm gestaltetes Fenster ein. Gestiftet hatten es zwei Einwohner der Gemeinde, das Ehepaar Miguel und Catalina, das mit der Schenkung ihrer einzigen Tochter gedenken wollten, die im Alter von 47 Jahren gestorben war.

Im Februar 2004 erreichte Burwitz die Nachricht, dass Catalina schwer an Krebs erkrankt sei. "Ich legte doppelte Schichten ein, damit sie das Fenster noch erleben würde", erzählt der Künstler. Doch als seine Arbeit fertig war, wollte es die Stifterin nicht sehen. "Abgehärmt und mit ausgefallenen Haaren hatte sie aller Lebensmut verlassen."

Schließlich konnte Burwitz' Frau Marina die Kranke dazu bewegen, doch zur Kirche zu gehen. Dort erblickte Catalina das Werk, das die Wandlung des Saulus zum Paulus darstellt: Der vom Blitz getroffene und vom Pferd gefallene Christenverfolger, die behutsamen Formen, die sich auf den Jünger Ananias senken, ihn beauftragen, die heilende Hand auf das Haupt des blinden Saulus zu legen.

"Això em curarà" - Das wird mich heilen, sagte Catalina auf einmal mit zögernder Stimme. Nach einer Pause wiederholte sie diese Worte, und dann, ein drittes Mal, mit Nachdruck: "Això em curarà!" - "Die Stille wurde vom plötzlichen Schluchzen ihres Mannes unterbrochen. Uns Nahestehenden schürte es die Kehle zu", erinnert sich Burwitz.

Wenige Wochen später war Catalina geheilt. Der Künstler ist heute überzeugter denn je: "Wenn die Welt aus den Angeln zu geraten scheint und Blei täglich tausendfach verletzt und tötet, kann in Blei gefasster guter Wille ungeahnte Heilkräfte freisetzen."